Bericht vom Fachgespräch zur Sulfatbelastung der Spree

Am 15.05. 2018 lud Kohleausstieg Berlin ins Berliner Abgeordnetenhaus ein, um über die Zukunft des Trinkwassers in Berlin und Brandenburg zu diskutieren. 

Das lang erwartete Sulfatprognosenmodell wurde von Michael Kaltofen vom Institut DHI-WASY vorgestellt. Kaltofen erklärte Methodik und Ergebnisse der Studie, welche die Sulfatkonzentration der Spree an verschiedenen Messstellen seit 2013 sowie die für die nächsten Jahre zu erwartenden Schwankungen darlegt. Heraus sticht, dass im gesamten Untersuchungszeitraum der Studie der jeweilige Sulfat-Immissionsrichtwert an allen Messstellen immer wieder überschritten wurde – mit ansteigender Tendenz bis zum Jahr 2015. Dies gilt auch für die Messstelle Spremberg-Wilhelmsthal, deren Sulfatmessung bislang als maßgeblich für die Einhaltung der Immissionsrichtwerte weiter spreeabwärts gilt. Demnach rechnet das Modell bei allen Messstellen mit ausgeprägten bis moderat extremen Sulfatkonzentrationen. Einige wichtige Faktoren wie zukünftige Auswirkungen des Klimawandels, des Cottbusser Ostsees oder Umleitungsoptionen der Spree wurden bei der Modellierung nicht berücksichtigt, da dies vom Auftraggeber, dem Brandenburger Bergbauamt, nicht vorgesehen war. Sie sollen jedoch in ein erweitertes, für den Herbst geplantes Prognosemodell integriert werden.

Wenn Friedrichshagen ein Problem hat, hat Berlin ein Problem

Jens Feddern von den Berliner Wasserwerken sorgt sich über die Sulfatbelastung für das Wasserwerk Friedrichshagen, den größten Wasserversorger Berlins, und merkte an, dass das Modell „die Risiken systematisch unterschätzt“. Das Friedrichshagener Trinkwasser besteht nämlich in der Regel zu 60% aus sulfalthaltigem Uferfiltrat und ca. 40% aus sulfatfreiem landseitigen Wasser; nur durch diese Mischung kann der Sulfatgrenzwert von 250 mg/L im Trinkwasser eingehalten werden. Bei größerer Trockenheit kann das Verhältnis aber auch 70 zu 30 betragen. Um zu garantieren, dass die Sulfatkonzentration im Trinkwasser unter dem Grenzwert bleibt, darf bei einem Uferfiltratanteil von 61% und mehr im Trinkwasser die Sulfatkonzentration der Spree am Wasserwerk Friedrichshagen nicht über 317 mg/L liegen. Feddern warnte, dass das Friedrichshagener Trinkwasser bereits Höchstwerte von 220 mg/L verzeichnen musste. Sollte es zu einer Grenzwertüberschreitung kommen, hat das Wasserwerk keine Kapazitäten, die sulfatbelasteten Wassermengen zu kompensieren. Ausweichoptionen wie in Frankfurt/Oder gibt es nicht.

Das Risikopotential für das Berliner Trinkwasser durch die Auswirkungen des Tagebaus wurde auch von Stefan Tidow, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, bestätigt. Der Staatssekretär beleuchtete die Zusammenarbeit der Länder Berlin und Brandenburg in den letzten 30 Jahren und zog eine positive Bilanz: bei der letzten gemeinsamen Kabinettsitzung wurde entschieden, den festgesetzten Immissionszielwerte nicht weiter anzuheben. Tidow beteuerte die Notwendigkeit, das Verursacherprinzip anzuwenden und im Schadensfall rechtliche Schritte gegen die Tagebaubetreiber einzugehen.

Verursacherprinzip anwenden

Der Brandenburger BUND und Grüne Liga forderten mehr Druck aus Berlin auf Brandenburg. Entscheidend sei es, das Verursacherprinzip anzuwenden und die Betreiber der Tagebaue zur Rechenschaft zu ziehen, etwa über die wasserrechtliche Erlaubnis für Tagebaue, die Einforderung von Sicherheitsleistungen und den politischen Druck durch das gemeinsame Landesamt. Die NGOs thematisierten außerdem die noch kaum untersuchten negativen Auswirkungen von Sulfat auf aquatische Organismen.

Die Aussage des Tagebaubetreibers LEAG am selben Tag via Twitter, wonach es kein Sulfatproblem gebe und NGOs Falschinformationen verbreiteten, wurde durch das Fachgespräch somit klar widerlegt. Die Forderungen der Petition „Rettet unser Wasser“ sind immer noch gültig – Spree und Trinkwasserversorgung müssen vor den Folgen des Kohlebergbaus geschützt werden.