Klimafolgen

 

Auch in Berlin liefern noch immer vier Kohlekraftwerke Wärme und Strom. Außerdem befindet sich vor den Toren Berlins in der Lausitz das zweitgrößte deutsche Abbaugebiet für die besonders klimaschädliche und dreckige Braunkohle. Wenn der neue Berliner Senat es ernst meint mit dem Klimaschutz, muss er den Kohleausstieg in Berlin gesetzlich bindend beschließen und darauf hinwirken, dass keine neuen Braunkohletagebaue in der Lausitz erschlossen werden.

Klimakiller Kohle

Kohle ist mit Abstand der klimaschädlichste und dreckigste fossile Energieträger. Mehr als 70 Prozent der globalen CO2-Emissionen im Stromsektor stammen aus Kohlekraftwerken. In Deutschland hatten Braun- und Steinkohle im Jahr 2015 trotz Energiewende noch immer einen Anteil von 42 Prozent am Strommix. Auch in Berlin sind das Braunkohlekraftwerk Klingenberg und die drei Steinkohlekraftwerke Reuter, Reuter West und Moabit die größte CO2-Quelle: Im Jahr 2013 waren sie für rund ein Viertel der Berliner CO2-Emissionen verantwortlich. Ein noch größerer Klimakiller sind die Braunkohletagebaue und -kraftwerke in der brandenburgischen und sächsischen Lausitz. Fünf Tagebaue, die auch das Heizkraftwerk Klingenberg in Berlin beliefern, produzieren jährlich rund 60 Millionen Tonnen Kohle. Allein das Kraftwerk Jänschwalde, eines der größten Braunkohlekraftwerke Deutschlands, stieß im Jahr 2013 über 25 Millionen Tonnen CO2 aus. Damit gehört das zweitgrößte Tagebaugebiet der Bundesrepublik zu den größten Klimakillern in Europa. Um mit dem 1,5 Grad Ziel kompatibel zu sein, müsste Deutschland einer Greenpeace-Studie zufolge bis zum Jahr 2025 aus der Kohle aussteigen und die heimischen CO2-Emissionen bereits vor 2035 auf null reduzieren. Berlin könnte als erstes Bundesland den Kohleausstieg beschließen und so einen entscheidenden Beitrag zur Reduktion seiner CO2-Emissionen leisten. Wenn der neue Berliner Senat es ernst meint mit dem Klimaschutz, müsste er zudem die im Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm (BEK) anvisierten Klimaziele verschärfen.

Folgen des Klimawandels im Globalen Süden

Wenn es nicht gelingt, den weltweiten Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, werden sich die fatalen und bereits heute spürbaren Folgen des Klimawandels in den kommenden Jahrzehnten massiv verschärfen. Insbesondere Menschen im Globalen Süden und die ärmsten Bevölkerungsschichten weltweit sind davon existenziell bedroht. Grund dafür ist, dass wenig wohlhabende Länder und Menschen sich am schlechtesten vor den Folgen des Klimawandels schützen oder finanziell dagegen absichern können. Gleichzeitig leben sie oft in Regionen, die von den Folgen des Klimawandels besonders bedroht sind. Während die Hauptverursacher des Klimawandels im Globalen Norden angesiedelt sind, hat der Klimawandel in Ländern des Globalen Südens besonders gravierende Auswirkungen: 

  • Schon bei einem Temperaturanstieg von zwei Grad Celsius sind nicht nur Inselstaaten wie Tuvalu vom Untergang bedroht. Auch für Millionenstädte wie Hongkong, Mumbai, Jakarta, Buenos Aires oder New York wäre der zu erwartende Anstieg der Meere bei einer Erwärmung von 2 Grad Celsius ein ernsthaftes Problem. Bei einem Anstieg der Temperaturen um 4 Grad, der angesichts der derzeitigen Energieund Klimapolitik durchaus wahrscheinlich ist, wären bis zu 760 Millionen Menschen vom steigenden Meeresspiegel akut bedroht. Das gilt insbesondere für asiatische Länder wie Bangladesch, Vietnam oder China, in denen teilweise die Hälf te der Bevölkerung in küstennahen Regionen lebt.
  • Unwetterereignisse wie Sturmfluten und Wirbelstürme werden mit dem voranschreitenden Klimawandel zunehmen. 2013 richtete der Supertaifun Haiyan massive Schäden auf den Philippinen an und kostete mehr als 6.000 Menschen das Leben. Er war einer der heftigsten tropischen Wirbelstürme seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Bis heute leiden vor allem die ärmsten Menschen unter den Folgen des Taifuns. Auch im Globalen Norden sind ärmere Bevölkerungsschichten besonders stark durch die Zunahme von Extremwetter und Meeresspiegelanstieg betroffen, wie beispielsweise der Hurrikane Sandy in New York verdeutlichte. 
  • Die Gletscherschmelze ist eine der gravierendsten Folgen der Erderwärmung. In Asien etwa hängt die Wasserversorgung von rund zwei Milliarden Menschen an den etwa 10.000 Himalayagletschern. Schmelzen die Gletscher, kommt es erst zu Überschwemmungen, später zu Dürren. In den Bergen Nepals sind die ersten Gletscher bereits verschwunden. Auch in den Anden sind die schmelzenden Gletscher bereits heute ein Problem: Viele bolivianische Bauernfamilien werden durch ausbleibendes Schmelzwasser, Dürre und Trockenheit ihrer Existenzgrundlage beraubt und ziehen in die Städte, wo sie oft in Armut leben.
  • Dürren, Trockenheit und Überschwemmungen in Folge des Klimawandels gefährden die Ernährungssicherheit von hunderten Millionen Menschen. In den nächsten Jahrzehnten könnte die Zahl der Hungernden um weitere 600 Millionen ansteigen. Der Weltmarktpreis für Weizen könnte sich auf lange Sicht vervierfachen. Es ist außerdem zu befürchten, dass die Ernteerträge wichtiger Grundnahrungsmittel gerade in Afrika und Teilen Asiens zurückgehen – in einigen Regionen Afrikas ist bis 2050 mit einem Rückgang von bis zu 50 Prozent zu rechnen.

Klimawandel in Europa, Deutschland und Berlin

Die armen und ärmsten Bevölkerungsschichten im Globalen Süden sind tendenziell am schwersten vom Klimawandel betroffen. Doch auch in Europa, Deutschland und nicht zuletzt Berlin ist die Erwärmung inzwischen deutlich zu spüren. In Deutschland wird vor allem der ohnehin strukturschwache Osten besonders schwer betroffen sein  – auch hierzulande sind die Folgen des Klimawandels also ungerecht verteilt. In Berlin macht sich die Klimaerwärmung folgendermaßen bemerkbar: 

  • Die Temperaturen in der Region Berlin-Brandenburg werden in den nächsten Jahrzehnten deutlich steigen. Die Zahl der heißen Tage mit einem Tagesmaximum von über 30 Grad Cel - sius pro Jahr könnte sich bis 2100 von 10 auf 30 erhöhen. Besonders in der Stadt staut sich an solchen Tagen die Hitze. Das kann die Gesundheit von Menschen ernsthaft gefährden, z.B. durch Herz-Kreislauf-Versagen oder Dehydrierung  – bis hin zum Hitzetod. Insbesondere Kleinkinder sowie ältere und chronisch kranke Menschen sind in Gefahr.
  • Länger anhaltende Trockenperioden im Sommer könnten zu Wasserknappheit in Berlin und Umgebung führen. Ferner kann eine längere Trockenheit zu Absenkungen des Erdreichs führen und damit das unterirdische Stromnetz beschädigen. Trafostationen können bei Temperaturen über 35 Grad Celsius ausfallen. Durch die vermehrte Sonneneinstrahlung und Autoabgase entsteht zudem mehr Ozon, welches insbesondere Kinder und Menschen mit Atemwegserkrankungen belastet. 
  • Da auch die Winter überdurchschnittlich starke Temperaturanstiege verzeichnen werden, wird die Zahl der Frosttage abnehmen. Das begünstigt die Ausbreitung gefährlicher Insekten wie der Asiatischen Tigermücke, die lebensbedrohliche tropische Fieberkrankheiten wie das Denguefieber übertragen kann. In Teilen Süddeutschlands ist diese Mückenart schon heute heimisch. In Zukunft könnte sie sich auch bis nach Berlin ausbreiten. 
  • Die Zunahme von Starkregenereignissen (mit mehr als 10 Liter pro Quadratmeter Niederschlag) wird in Zukunft deutlich zunehmen. Bis 2100 könnten sie sich nahezu verdoppeln. Bei Starkregen wie am 27. Juli 2016, als in Berlin 50 Liter Niederschlag innerhalb von zwei Stunden niedergingen, stößt die Kanalisation schnell an ihre Grenzen.