Lausitzer Braunkohle

 

Die Braunkohlevorkommen werden in Deutschland in vier Revieren abgebaut: dem Rheinischen Revier, dem Lausitzer Revier, dem Mitteldeutschen Revier und dem Helmstedter Revier. Das Lausitzer Revier ist nach dem Rheinischen das zweitgrößte in Deutschland. Es befindet sich im Südosten Brandenburgs und im Nordosten Sachsens. Insgesamt gibt es dort fünf aktive Tagebaue: Cottbus-Nord, Jänschwalde, Nochten, Reichwalde und Welzow-Süd. Mit der geförderten Kohle werden drei Kraftwerke in der Lausitz (Jänschwalde, Schwarze Pumpe und Boxberg) sowie die Heizkraftwerke Berlin-Klingenberg und Chemnitz versorgt. Der weitere Aufschluss von fünf neuen Tagebauen ist geplant, für die Tagebaue Nochten II, Welzow-Süd II und Jänschwalde-Nord wurden bereits Braunkohleplanverfahren eingeleitet. Zehn Dörfer würden verschwinden, 3000 Menschen müssen sich dann eine neue Bleibe suchen.

Um an die Kohle heranzukommen, müssen pro Tonne Kohle ca. sieben Kubikmeter Abraum bewegt werden. Dies geschieht mit heute Abraumförderbrücken vom Typ F 60. Diese gigantischen Maschinen sind 60 Meter hoch und knapp 600 Meter lang. Die Erdbewegungen führen zu einer Wanderung des Tagebaus von ca. 300m/Jahr.

 

Geschichte der Kohleförderung in der Lausitz

Bereits im 19. Jahrhundert wurde in der Lausitz im reinen Handbetrieb Kohle gefördert. Um die Jahrhundertwende begann eine teilmechanische Förderung, Dampfmaschinen und Grubenbahnen wurden zunehmend eingesetzt. 1925 begann der vollmechanische Tagebaubetrieb mithilfe von Abraumförderbrücken. Erstmals fanden dann auch großflächige Wasserabsenkungen statt; die Fördermengen nahmen stark zu. Im Kontext des 1. Weltkriegs gewann die Lausitzer Braunkohle an strategischer Bedeutung und in der NS-Zeit hatte die Förderung der Braunkohle trotz der damals schon bekannten negativen Auswirkungen uneingeschränkte Priorität. Die Lausitz wurde zu einer industriellen Schwerpunktregion ausgebaut. Zwischen 1913 und 1944 lässt sich fast von einer Verdreifachung der Fördermenge sprechen.

In den 1950er Jahren bemühte sich die DDR-Regierung verstärkt um eine unabhängige Energieversorgung, die vor allem auf der Lausitzer Braunkohle basierte. Die Braunkohlekombinate „Senftenberg“ und „Schwarze Pumpe“ wurde errichtet, Braunkohle wurde dort zu Koks, Gas, Briketts und Strom verarbeitet. Mit dem Mauerfall kam es zu großen strukturellen Umwälzungen in der Region. Eine Betriebe wurden stillgelegt, andere durch die Treuhandanstalt privatisiert. Aus dem Braunkohlenkombinat Senftenberg wurde die „Lausitzer Braunkohle AG“ (LAUBAG) und aus dem Gaskombinat Schwarze Pumpe die „Energiewerke Schwarze Pumpe AG“ (ESPAG). 1993 wurden beide zur LAUBAG zusammengeschlossen und 1994 verkauft. Nach mehreren Eigentümerwechseln wurde sie 2002 aufgelöst, die Anlagen werden seitdem von der Vattenfall Mining AG betrieben. Nicht-privatisierbare Betriebe und die Bergbaualtlasten wurden der „Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH“ (LMBV). Sie ist bis heute mit der Renaturierung der Flächen betraut.

 

Aktuelles

Momentan bemüht sich Vattenfall um den Verkauf seiner Braunkohlesparte. Der Konzern steht wegen des dreckigen Geschäfts unter Druck, Klimaschutzpläne bergen aus Konzernsicht unkalkulierbare ökonomische Risiken. Interesse haben bislang die beiden tschechischen Konzernen CEZ und EHP  bekundet, zudem ist der polnische Konzern PGE im Gespräch. Steag hatte sämtliche Kaufinteressen im Februar 2015 dementiert. Obwohl zunächst angekündigt war, dass die Erschließung neuer Tagebaue weiter vorangetrieben werden soll, setzte Vattenfall im Juni alle Aktivitäten zur Vorbereitung der Umsiedlung zur Fortführung des Tagebaus Nochten aus.